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Wie wird das Wetter?

 

Als es noch keine Wettermessungen, Statistiken und Vorhersagen gab, orientierten sich die Menschen ganz selbstverständlich an der Natur. Dabei spielten auch Tiere und Pflanzen eine Rolle als Wetterpropheten.

 

Fällt die Gartenparty ins Wasser? Muss die Wäsche herein? Wann kann gesät, wann geerntet werden? Wetterprognosen können harmlosere oder sehr weitreichende Folgen haben. Landwirtinnen und Landwirte, die seit Generationen ihr Leben nach der Natur ausrichten, haben ein gutes Gespür dafür wie sich das Wetter entwickelt. Ihre Erfahrungen und Erkenntnisse überlieferten sie meist mündlich, zum Beispiel in Bauernregeln, und an den alten Sprüchen ist oft etwas Wahres dran.

 

Bauernregeln beruhen auf der Beobachtung von Naturphänomenen. 

 

Feinfühlig. Während der Mensch zunehmend verlernt hat, die Natur zu deuten, sind Pflanzen und Wildtiere auch heute noch fest in ihrer Umwelt verankert, Wind und Wetter ausgeliefert. Sie besitzen eine ausgeprägte Wahrnehmung für selbst geringe Veränderungen von Luftdruck, Temperatur, Feuchtigkeit und elektrischen Feldern.

Tierische Vorzeichen ... Zwei Tiere gelten als die Wetterpropheten schlechthin: der Hahn und der Frosch. Viele Turmspitzen und Hausdächer ziert ein Wetterhahn, der zeigt, woher der Wind kommt. Schon in der Antike galt der Hahn als Wächter des Lichtes, kündigt er doch das Morgenlicht mit seinem Krähen an. „Kräht der Hahn auf dem Hühnerhaus, hält das Wetter die Woche aus“, beschreibt, dass sich Hahn und Hühner andere Futterquellen suchen müssen, wenn sonniges Wetter die oberste Schicht des Misthaufens austrocknet und Würmer und Larven in tiefere Schichten abwandern. Man kann aber auch beobachten, dass Hühner bei bevorstehendem Schlechtwetter am Vorabend noch instinktiv auf Vorrat nach Nahrung suchen. Umgekehrt ist es ein Hinweis auf gutes Wetter, wenn die Hühner abends relativ früh in ihren Stall gehen. 

 
Laubfrosch, Kreuzspinne, Hahn und Königskerze

Sitzt die Kreuzspinne (o. rechts) gelassen im Netz, kann man sich auf schönes Wetter freuen. Wenn der Hahn (u. links) zu ungewohnter Zeit kräht, kann das kommenden Regen bedeuten. In diesem Fall neigt auch die Königskerze (u. rechts) die Spitze ihres Blütenstandes nach Westen. Der Laubfrosch (o. links) sagt das Wetter allerdings nicht voraus, sondern reagiert nur ganz kurzfristig auf Änderung.

 

... für den Wetterumschwung. Der Frosch als Wetterprophet ist ein alter Volksglaube, der auf dem Verhalten des Europäischen Laubfrosches beruht: Dieser steigt bei sonnigem und warmem Wetter an Stielen von Pflanzen empor, um Insekten zu fangen, bei schlechtem bleibt er eher am Boden. Frösche können Feuchtigkeit und Luftdruck wahrnehmen, sie bilden damit aber nur den Istzustand des Wetters ab. Daher sieht man sie in der schwülen Luft vor Regen und Gewittern häufiger über Straßen und durch den Garten hüpfen, kommt die feuchte Luft doch ihrer empfindlichen Haut entgegen. „Siehst du die Schwalben niedrig fliegen, wirst du Regenwetter kriegen“, lässt sich damit erklären, dass Schwalben immer so hoch oder tief wie ihr Futter fliegen. Bei nahendem Schlechtwetter sind Insektenschwärme tief zu finden, bei Hochdruck werden sie von warmen Luftströmungen hinaufgetragen. 

 

Ameisenbau & Spinnennetz. Auch unter den Insekten gibt es Anzeichen zu erkennen: Ameisen besitzen ein besonders komplexes Verhalten und reagieren sehr sensibel. Ruhig und gleichmäßig arbeitende und laufende Ameisen verraten, dass schönes Wetter stabil bleibt. Wenn sie aber eilig in den Bau zurückkehren und die Eingänge vermauern, wird es in Kürze ein Gewitter geben. Spinnen können auf kleinste Luftdruckschwankungen reagieren: Sitzen sie gelassen in der Mitte ihres Netzes, so kann man sich ebenso auf schönes Wetter freuen, wie wenn sie aktiv an ihrem Netz bauen.

 

Die Phänologie befasst sich mit dem Zusammenhang zwischen Wetter und Naturerscheinungen.

 

Pflanzen als Wetterzeiger. Anders als Tiere können Pflanzen vor Wetterereignissen ihren Standort nicht verändern, um Zuflucht zu suchen, sondern sie verändern ihr Aussehen, um sich zu schützen. Der überwiegende Teil der Pflanzen nimmt seine „Informationen“ bezüglich des bevorstehenden Wetters aus der Luftfeuchtigkeit. Die Silberdistel heißt auch Wetterdistel, weil sie empfindlich auf Feuchtigkeitsschwankungen in der Luft reagiert. Falls sich ihre Blüte selbst bei Sonnenschein nicht öffnet, kündigt das Regen oder Gewitter an. Die Vogelmiere schließt ihre Blüten, wenn Regen aufzieht, ebenso wie der Löwenzahn und die Wegwarte. Blüht die Ringelblume schon am Morgen, darf man auf einen sonnigen Tag hoffen. Bleibt die Blüte geschlossen, deutet alles auf Regen hin.  

Wetterspezialistin. Die Königskerze neigt die Spitze ihres Blütenstandes angeblich nach Westen, wenn Regen bevorsteht, zeigt sie nach Osten, sollte der Tag sonnig werden. Sie scheint aber sogar in der Lage zu sein, die langfristige Entwicklung des Wetters vorauszusagen. Im ersten Jahr bildet sie eine Blattrosette: Liegen die Blätter im unteren Teil sehr dicht beieinander, wird es wohl schon zeitig Schnee geben. Liegen die Blätter hingegen im oberen Teil dicht aneinander, kann man erst zum Jahresanfang mit Schnee rechnen.  

Luftfeuchtigkeit. Als pflanzliches Hygrometer könnte man den Storchschnabel bezeichnen: „Wenn des Storchschnabel Frucht sich wie der Uhrzeiger dreht, in der Nacht schlechtes Wetter vor uns steht; doch dreht sich die Frucht entgegengesetzt, kein Wölkchen den sternklaren Himmel verletzt.“ Tatsächlich drehen sich die Grannen der Storchschnabelfrucht bei steigender Luftfeuchtigkeit im Uhrzeigersinn und bei abnehmender dagegen.

 

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Elke Papouschek, Redaktion

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Noch mehr Bauernregeln mit Pflanzen und Tieren: 

  • Bleiben die Schwalben lange, sei vor dem Winter nicht bange.
  • Wenn die Amseln laut flöten nach langem Schweigen, wollen sie Sturm und Regen anzeigen.
  • Hocken die Hühner in den Ecken, kommt bald Frost und Winters Schrecken.
  • Wenn die Gänse stehen auf einem Fuß, dann kommt gewiss ein Regenguss.
  • Wenn die Drossel schreit, ist der Lenz nicht mehr weit.
  • Bauen im April die Schwalben, gibt’s viel Futter, Küh’ und Kalben.
  • Grünt die Eiche vor der Esche, gibt’s im Sommer große Wäsche (= Regen).
    Treibt die Esche vor der Eiche, bringt der Sommer große Bleiche (= Trockenheit).
  • Kannst du in die blauen Blüten der Wegwarte schau’n, darfst du auf anhaltend Schönwetter bau’n.
 

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