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Das unterschätzte Naturprodukt

 

Jede/r von uns hat Essig zu Hause, doch bei weitem nicht alle kennen die zahllosen nützlichen Eigenschaften dieses natürlichen Wundermittels. Egal ob Ernährung, Körperpflege, Gesundheit, Haushalt – Essig ist vielseitig einsetzbar. 

 

Schon in den alten Kulturen Chinas und Ägyptens nutzte man Essigsäure als Konservierungsmittel, als Getränk, aber auch als Heilmittel. Gewonnen wurde sie, indem man Wein oder auch Bier in Tonkrügen an der Luft zu Essig vergären ließ. Schon Hippokrates verordnete Essig innerlich bei Verdauungs- und Atemwegsbeschwerden und äußerlich zum Desinfizieren von Wunden und Entzündungen. Verdünnter Essig half römischen Soldaten, keimbelastetes Trinkwasser zu vertragen. Kaiserin Sissi schwor auf Veilchenessig zur Hautpflege und Apfelessig für eine Haarkur. Oxymel, ein Honig-Essig-Trunk, galt schon in der Antike als Heil- und Stärkungsmittel und findet auch heute wieder Verwendung zur Stärkung des Immunsystems und wegen seiner entzündungshemmenden Eigenschaften.


Essig wird durch die Gärung alkoholischer Flüssigkeiten mit Essigsäurebakterien hergestellt.


Was ist Essig? Essigsäure, eine Carbonsäure, ist fast überall in der Natur zu finden und die wohl wichtigste organische Säure. Sie ist wasserfrei, ätzend, riecht stechend – und trotzdem haben wir alle täglich mit ihr zu tun. Essigsäure entsteht, wenn alkoholische Flüssigkeiten wie Wein, Obstmost oder Bier durch die Wirkung von Essigsäurebakterien unter Lufteinfluss vergären, wobei der Alkohol in Essigsäure umgewandelt wird. Die aktiven Bakterien sammeln sich in einer gallertartigen Masse, der sogenannten Essigmutter. Sie ist, ähnlich dem Sauerteig beim Brotbacken, ein wertvoller Starter für den nächsten Essigansatz. Ein geringer Rest Alkohol bleibt im Essig enthalten und je nach Art enthält er auch Vitamine, Mineralstoffe, Zucker und andere Stoffe, die aus dem vergorenen Material in den Essig übergegangen sind. Durch natürliche Essigsäuregärung kann Essig mit einem Säuregehalt von max. 15,5 % entstehen, höhere Konzentrationen, die man als „Essigessenz“ bezeichnet, können nur durch technische Verfahren erreicht werden. 

In der Küche. Guter Essig, am besten in regionaler Vielfalt, darf in keiner Küche fehlen. Er gibt dem Essen Würze und eine besondere Note, sorgt dafür, dass Gemüse seine Farbe behält und gilt als Zartmacher für Fleisch. Die niederösterreichische Genusslandschaft hat für jeden Geschmack Essigvarianten zu bieten. Zu den süßlichen Obst- und Fruchtessigen kombiniert man am besten geschmacksneutrale Öle, wie Sonnenblumen-, Raps-, Traubenkern- oder Distelöl. Neben dem Klassiker Apfelessig bereichern Spezialessige aus Marillen, Quitten, Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Dirndln und auch Birnen die gute Küche. Weinessig ist im Geschmack meist sehr neutral und daher ein Allrounder. Geschmackvolle Öle wie etwa kaltgepresstes Leindotteröl kommen hier gut zur Geltung. Honigessig ist eine Rarität. Er verfeinert grobe Salate wie Rucola und Römersalat. Kräftige Kräuteressige mit Knoblauch, Estragon, Rosmarin und Oregano runden mildes Gemüse wie Mangold und Blattspinat ab. 

 
Essig und Zitronenschalen in einer Schüssel

Ein Duo gegen Kalk, Fett und Schmutz: Eine Mischung aus Essig und Zitronenschalen ist ein effektiver, günstiger und natürlicher Allzweckreiniger. (li. oben) Für ihre Poysdorfer Essige verarbeitet Simone Schuckert Wein, Obst, Gemüse und Kräuter aus eigenem Anbau. (li. unten) Essig ist nicht nur für wohlschmeckende Salate wichtig, sondern auch eine Grundzutat für Mayonnaise, Senf, Ketchup, Chutney u. v. m. (re. oben)

 

Poysdorfer Essige. Das Thema Essig interessierte Weinbäuerin Simone Schuckert schon lange und so begann sie, aus eigenem Qualitätswein, Obst, Gemüse und Kräutern Essig herzustellen. Ob Marillenessig, Rosmarin-Oregano-Essig oder sogar Weichselessig, die in ihrer Essig-Manufaktur entstandenen „Poysdorfer Essige“ aus hochwertigen und naturnah produzierten Grundzutaten schmeicheln jedem Gaumen. Als besonderen Tipp hat die Essigspezialistin auch den Trauben-Himbeer-Balsamessig für leichte Salate, oder um Salaten generell eine süß-saure Note zu geben, im Sortiment. Balsamico-Essige empfiehlt sie, harmonieren aufgrund ihrer Süße auch wunderbar mit Desserts.

Essig wirkt kalk- und fettlösend gegen Schmutz und antibakteriell bei Kalk und Schimmel.

 
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Zum Putzen. Wer gründlich und umweltschonend putzen möchte, ist mit dem Hausmittel Essig sehr gut beraten. Das Naturprodukt ist biologisch leicht abbaubar und trotzdem wirksam gegen Kalkablagerungen, Schmutz und Fett. Es wirkt dabei zusätzlich desinfizierend, indem es Bakterien und Keime beseitigt. Der geringe pH-Wert von 2,5 (Tafelessig) bis 2,1 (Essigessenz) ist der Hauptgrund für die keimtötende Wirkung von Essig, denn nur wenige Mikroorganismen können in einer derart sauren Umgebung überleben. Auch der Kühlschrank lässt sich mit Essigwasser gründlich und antibakteriell reinigen. Ein Teelöffel Essig in einem halben Liter Wasser ergibt eine Mischung, mit der sich Küchengeräte hygienisch und keimfrei auskochen lassen.  

 

Preiswert & nachhaltig. Günstiger Tafelessig aus Branntwein ist dafür völlig ausreichend und ersetzt handelsübliche Essig- und Allzweckreiniger einfach und billig. Ein Reiniger für den Haushalt ist schnell gemacht: 500 ml farbloser Tafelessig, 250 ml Wasser und 20 Tropfen ätherisches Teebaum- oder Lavendelöl in eine alte Sprühflasche füllen, durchschütteln und anwenden. Essigwasser eignet sich für Reinigung von Fliesen, Spülen, Kunststoff- und Holzoberflächen. Beim Fensterputzen sorgt ein Schuss Essig im Wasser für Glanz. Kalkhaltige Oberflächen wie Natursteinböden und -fliesen können vom Essig allerdings angegriffen werden und sollten nicht damit in Kontakt kommen. Auch Fliesen- und Silikonfugen können Schaden nehmen. Will man hier Essig verwenden, sollte man die Fugen vorher einwässern, das Essigwasser nur kurz einwirken lassen und schnell abwaschen. Unverdünnt hilft Essig sogar bei Rostflecken auf Werkzeug oder anderen Metallteilen.

 

Der pH-Wert des Apfelessigs liegt bei etwa 5,5 – einem Wert, der dem Säuremantel der Haut entspricht.

 

Für die Gesundheit. Essig wirkt antibakteriell, entzündungshemmend und wundheilend. Er kurbelt die Fettverbrennung an, fördert eine gesunde Darmflora, unterstützt beim Senken des Cholesterinspiegels und Stärken des Immunsystems. Im Gegensatz zu anderen Essigen ist Apfelessig basisch – sein pH-Wert liegt bei etwa 5,5 – und wirkt sich daher positiv auf den Säure-Basen-Haushalt im Körper aus. Ein Gesichtswasser mit Apfelessig hilft bei unreiner, zu Pickeln neigender Haut. Die guten alten „Essigpatscherl“ sind nach wie vor ein wirkungsvolles Hausmittel zum Senken von Fieber. 

Wenn die Kilos schmelzen sollen. Ein Morgentrunk aus frischem Ingwer, Apfelessig, flüssigem Honig, Zitronensaft und Wasser unterstützt beim Abnehmen mit kalorienreduzierter Ernährung und Bewegung, da er die Fettverbrennung im Körper ankurbelt, aber auch wenn man viel geschwitzt hat, um den Elektrolythaushalt wieder auszugleichen. Essig darf aber nur in kleinen Mengen und immer nur mit Wasser oder Saft verdünnt getrunken werden. Personen, die unter Magen-Darm-Erkrankungen oder Fruktose-Intoleranz leiden, sollten auf Apfelessig verzichten, Diabetiker im Umgang damit vorsichtig sein, denn er beeinflusst den Blutzuckerspiegel.

 

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Elke Papouschek, Redaktion 

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Essigspezialitäten aus Niederösterreich:

Poysdorfer Essig: zur-reblaus.com

Erdbeer-Apfel-Essig: wurzers.at

Dirndlessig: fuxsteiner.at

Veltliner-Balsamico: mayer-mayer.at

Birnenbalsam-Essig: distelberger.at

Rosenessig: khmanufaktur.at

Himbeeressig: biobeerengarten.at

Weitere Adressen: soschmecktnoe.at

 

Küchengeheimnis:

Auf die Reihenfolge kommt es an

Tipps zur richtigen Salatmarinade: Essig, Wasser, Öl und Gewürze verrühren und fertig ist die Salatmarinade – so kann man es auch machen. Die feinere Variante ist es aber, die Zutaten Schritt für Schritt zugegeben. Ein weit verbreiteter Abfolgefehler ist die zu frühe Zugabe von Öl. Es beschickt die Salatzellen, wodurch der erfrischende Essiggeschmack nicht auf den Gaumen kommt, sondern in der Schüssel bleibt. Öl daher immer zum Schluss zugeben! Zuvor den Salat waschen, abtrocknen, die Gewürze wie Salz, Pfeffer und Kräuter zugeben, den Essig und ev. etwas flüssigen Honig gleichmäßig verteilen und alles vermischen. Erst zum Schluss das Öl darüber gießen und nochmals alles vermengen.

 
Salat wird abgemacht

© ANDREY GONCHAR - STOCK.ADOBE.COM

 

Die wichtigsten Essigarten


Tafelessig, auch Branntweinessig oder Haushaltsessig genannt, wird durch Vergärung von reinem Alkohol gewonnen. Der Säureanteil beträgt 5 bis 10 %. Er ist die günstigste und vielseitigste Essigvariante, wird in der Nahrungsmittelindustrie verwendet und ist auch zum Waschen, Putzen und Entkalken geeignet.

Obstessig entsteht, wenn Obstwein mit Essigsäurebakterien vergoren wird. Der Anteil der Essigsäure liegt bei ca. 5 %, Obstessige schmecken milder und fruchtiger als Weinessige. Apfelessig wird auch für gesundheitliche Anwendungen genutzt.

Weinessig wird aus Rot- oder Weißwein hergestellt, die Essigsäurekonzentration im fertigen Produkt liegt bei ca. 6 %. Beide eignen sich gut für Salatdressings. Je besser der Wein, desto vollmundiger wird auch der Essig.

Balsamico-Essig basiert auf Traubenmost als Grundlage. Hochwertige Produkte mit dem Beinamen „Traditionale“ haben eine lange Reifezeit, die Herstellung dauert mehrere Jahre. Preiswerte Sorten bestehen aus Weißwein, Traubensirup und Zucker und reifen mindestens 60 Tage. Balsamicoessig eignet sich zum Kochen und Aromatisieren, für Salate, Suppen, Käse und vieles mehr.

Essigessenz hat einen Säuregehalt von bis zu 25 % und wird zum Putzen und Entkalken verwendet. Sie muss für den Gebrauch verdünnt werden, in der Küche z. B. mit vier Teilen Wasser zu einem Teil Essenz.

 

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