Der Feigenbaum, Sinnbild für Genuss, ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt. Noch vor einigen Jahren galt er in unseren Breiten als heikel zu kultivieren. Doch das Klima ändert sich und die milden Winter lassen Feigenbäume auch hier wunderbare Früchte liefern.
Bereits vor 5.000 Jahren kultivierten die Assyrer Feigenbäume, etwa 700 v. Chr. gelangte der Baum nach Griechenland und später auch nach Italien. Die Feige war die erste namentlich erwähnte Frucht in der Bibel. Weil Adam und Eva bei der Vertreibung aus dem Paradies ihre Blöße damit bedeckten, wurde das Feigenblatt zum bekanntesten Blatt der Menschheitsgeschichte und der Feigenbaum zum Symbol für Erotik und Sexualität. Im alten Griechenland galt die Feige als Aphrodisiakum und war Dionysos, dem Gott des Weines, der Fruchtbarkeit und der Ekstase zugeordnet. Der größte Teil der hier erhältlichen Feigen stammt aus der Türkei, dem weltweiten Hauptproduzenten. Die hochwertigsten darunter sind die „Smyrna-Feigen“, bekannt für ihre großen Früchte und den süßen Geschmack. Sie benötigen zwingend die Bestäubung durch die Feigengallwespe, und sind nicht für den Anbau in unseren Breiten geeignet.
Vom Süden träumen. Die Feige, botanisch „Ficus carica“, gehört zur Familie der Maulbeergewächse. Einige ihrer Verwandten kennen wir als Zimmerpflanzen, etwa den Gummibaum (Ficus elastica) und die Birkenfeige (Ficus benjamina). Alle Feigenarten führen einen milchigen Saft in Trieben und Blättern. Die Feige wird nicht nur wegen ihrer Früchte geschätzt. Der intensive Duft – eine mediterrane Mischung aus dem herben, fast bitteren Geruch der Blätter und dem süßen Duft der reifen Früchte versetzt uns an heißen Sommertagen gefühlt ans Mittelmeer.
Komplizierte Befruchtung. Was wir für die Frucht des Feigenbaums halten, ist in Wahrheit das „Syconium“, ein blütentragendes Organ und eine Scheinfrucht. In seinem Inneren befinden sich viele winzige Einzelblüten und später Nüsschen. Die Wildform der Feige ist bei der Befruchtung auf die zwei bis drei Millimeter kleine Feigengallwespe angewiesen. Sie entwickelt sich im männlichen Syconium und bringt den Pollen zu den Blüten einer weiblichen Pflanze. Durch eine winzige Öffnung gelangt sie dort in das Innere zu den Blüten. Nördlich der Alpen kommt die Feigengallwespe (noch) nicht vor, daher tragen Feigen, die aus dem Süden als Ableger von einem wilden Feigenbaum mitgebracht wurden, hier keine Früchte. Unsere Kultursorten sind dagegen jungfernfrüchtig („parthenokarp“), tragen ganz ohne Bestäubung Früchte und werden über Stecklinge vermehrt. Die Farbpalette der Früchte reicht von grün und gelb bis hin zu bronzefarben und bläulich, in der Form können sie birnenförmig bis kugelig, mit einer glatten oder leicht warzigen Oberfläche sein.
In den Mittelmeerländern werden Feigen üblicherweise zweimal im Jahr geerntet, einmal im Juni/Juli und ein zweites Mal im August/September.
Robuste Sorten. In der langen Kulturgeschichte der Hausfeigen sind auch Sorten entstanden, die im Winter frosttolerant sind, dazu zählen „Brown Turkey“ mit gold-brauner Schale und rotem Fruchtfleisch, „Dalmatie“ mit grüner Schale und erdbeerrotem Fruchtfleisch, Pastilliere mit blau-violette Früchten und rotem Fruchtfleisch, die birnenförmigen „Longe d’Aout“ mit rötlich-gelber Schale und rotem Fruchtfleisch und „Ronde Bordeaux“ mit blau-violetter Schale und rotem Fruchtfleisch. Feigenbäume können in ihrer Heimat bis zu dreimal pro Jahr Früchte tragen. In unseren Breiten reifen jedoch meist nur die Früchte der ersten Generation, die sich im Frühjahr bilden, vollständig aus. Die ersten Früchte gibt es oft schon im ersten Jahr, aber erst ab dem dritten Standjahr beginnt die gute Ertragsphase.
Süße Versuchung. Die Feigenfrüchte sind dann reif, wenn die Schale ihre sortentypische Färbung zeigt und Risse bekommt, wenn dazu die Stiele weich werden und die Früchte nicht mehr seitlich am Trieb stehen, sondern hängen. Sobald sich am Fruchtboden ein Honigtropfen bildet, ist die Feige überreif – so schmeckt sie frisch gepflückt am besten, kann auch sofort verarbeitet, aber nicht gelagert werden. Wer sie reif direkt vom Baum isst, bekommt eine Vermutung darüber, wie das Paradies duften und schmecken könnte. Möglichst kalt, bei 3 – 4 °C, gelagert, halten sie maximal drei Tage im Kühlschrank. Feigen haben sehr viel Eigenzucker, daher sollte man beim Einkochen mit Zucker sparsam umgehen und eventuell mit Zitronensaft eine säuerliche Note einbringen. Mit Feigenchutneys, Feigenmarmeladen und anderen Köstlichkeiten lässt sich der Duft und Geschmack des Sommers für die kalte Zeit konservieren. Und wenn ab Mitte Oktober, nach dem ersten Frost, die Feigen ihre Blätter abwerfen, ist er beim Öffnen des Glases sofort wieder präsent.
Gesunder Genuss. Feigen sind gesund und nährstoffreich. Sie enthalten Ballaststoffe, Kalium, Kalzium, Eisen, Phosphor und Zink sowie Vitamine A, B1, B2, B6, C, E und K. Sie fördern die Verdauung, stärken Nerven und Muskeln. Frische Feigen enthalten ca. 60 kcal/100 g, während getrocknete Feigen durch den Wasserverlust mit rund 280 kcal/100 g und über 60 % Zucker ein sehr intensiver Energielieferant sind.
Feigen im Garten. Überall wo Marillen, Pfirsiche und Wein gut wachsen, können winterharte Feigensorten reife Früchte entwickeln und auch im Freiland überwintern. Gepflanzt werden Feigen im Frühjahr oder Sommer an einen sonnigen, warmen Platz. Ein optimaler Kleinklimabereich ist z. B. eine Ost-, Süd- oder Südwestwand, geschützt vor kaltem Wind. Je wärmer und sonniger, desto besser, denn die Frostfestigkeit hängt auch vom Kleinklima ab – eine Frostnacht macht noch nichts, aber dauerhaft minus 15 °C und kalter Wind dazu verursachen Schäden. Eines ist aber immer wichtig: Viel Sonnenschein und Wärme im Spätsommer und Herbst, damit die honigsüßen Früchte voll ausreifen.
Pflanzung. Genug Platz muss vorhanden sein, kleinwüchsige Feigensorten benötigen drei, großwüchsige mindestens fünf Meter Durchmesser. Der Feigenbaum hat geringe Ansprüche an den Boden, verträgt aber keine Staunässe. Deshalb muss man verdichtete Böden lockern und Schotter als Drainage (Wasserabzug) einarbeiten. In strengen Wintern können die Triebe zurückfrieren, dank guter Regenerationsfähigkeit baut sich der Strauch aber wieder gut auf. Pflanzen Sie den Feigenbaum daher fünf Zentimeter tiefer, als er im Topf stand. Falls in einem extremen Winter das Holz zurücktrocknet, treiben dann die „schlafenden Augen“ am Wurzelhals wieder aus..
Durch den Winter. Als Winterschutz eignet sich Überwinterungsvlies oder ein Ring aus Zaungitter, der mit Laub gefüllt wird. Wächst die Feige baumförmig mit einem Stamm, wird dieser mit Vlies umwickelt und der Wurzelbereich am Boden mit einer Laubschicht und darüber Reisig oder Strohmatten abgedeckt. Triebe die Frostschäden erlitten haben, schneidet man im Frühjahr bis ins gesunde Holz zurück. Ein windgeschützter Standort macht sich auch im Winter bezahlt, da der Wind auch den Wasserbedarf steigert. Aus dem gefrorenen Boden kann der Feigenbaum aber kein Wasser aufnehmen und vertrocknet. Oft entsteht dann der Eindruck, die Pflanze wäre erfroren. Feigen im Topf übersiedeln ab Oktober/November, aber möglichst spät, in ein ungeheiztes, frostsicheres und trockenes Winterquartier mit 2 bis 10 °C. Während der Überwinterung gießt man die Feigen nur sehr wenig, der Wurzelballen sollte aber nie ganz austrocknen.
Feigen aus NÖ. Mag.a Sabine Watzer betreibt seit 2005 in Guntramsdorf die Bio-Gärtnerei AustroPalm. Hier finden Sie auf 1,2 ha eine Auswahl von ca. 10.000 Pflanzen, die zum Großteil selbst produziert werden. Das hat den Vorteil, dass diese Pflanzen bereits an mitteleuropäische Klimabedingungen gewöhnt und angepasst und dadurch widerstandsfähiger sind. Die Gärtnerei wurde 2015 vollständig auf biologische Produktion umgestellt und ist ein Biosphärenpark Wienerwald Partnerbetrieb. Der Schwerpunkt liegt in der Produktion von frosttoleranten Palmen, Yuccas, Agaven und Bananenstauden sowie exotischen Fruchtpflanzen und Wildobstgehölzen.
Tipps der Gärtnerin. Die langsame Klimaveränderung mit immer heißeren, trockeneren Sommern, besonders im Osten Österreichs, macht auch eine Anpassung der Pflanzen notwendig. In den Schaubeeten werden viele Pflanzen auf die Winterverträglichkeit getestet. „Bei den Feigen haben sich die „Guntramsdorfer“ und „Innsbrucker“ Feige sehr bewährt. Beide bringen zuverlässig zwei Ernten im Jahr, einmal Anfang Juli und dann ab Mitte August bis zum Frost im Herbst“, empfiehlt Sabine Watzer und hat auch noch einen Tipp zur Kultur bereit: „Feigenbäume benötigen für die Fruchtreifung viel Wasser. Ich empfehle in den ersten Jahren nach der Pflanzung bis die Pflanze gut eingewurzelt ist, regelmäßig zu bewässern sowie den Boden rund um den Stamm mit einer Mulchschicht abzudecken. Das hält den Boden feucht und verhindert das Abfallen unreifer Früchte.“ Beim Früchte-Fest in der Gärtnerei am Samstag, den 19. September 2026 gibt es von 10 – 17 Uhr wieder Gelegenheit zur Verkostung von Obstraritäten wie Indianerbananen, aber sicher auch von frischen Feigen.
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Elke Papouschek, Redaktion
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Zutaten für 4 Personen: 8 reife Feigen, 2 Packungen Mozzarella, 1/2 Zitrone, Orangenthymian, Olivenöl, Salz
Zubereitung: Feigen waschen und vierteln aber nicht ganz durchschneiden. Mozzarella in Scheiben schneiden. Zitrone auspressen und den Saft mit Olivenöl und Orangenthymian vermischen. Feigen und Mozzarella auf dem Teller anrichten und die Marinade in die Feigen und über den Mozzarella träufeln.
© EMMI - STOCK.ADOBE.COM
Zutaten für 4 Personen: 6 frische Feigen, 80 g Rohschinken dünn geschnitten, 1 Knoblauchzehe, 2 EL Olivenöl, 100 ml Gemüsebrühe, 2 EL Crema di Balsamico (hell), 1 EL süßer Senf, 320 g Fusilli, Salz, 1 Bund Rucola, Pfeffer aus der Mühle
© W&B - S. Mader & U. Schmid
Zubereitung: Die Feigen waschen, trocken tupfen und achteln. Schinken in Streifen schneiden. Knoblauch hacken und in Olivenöl andünsten. Feigen und Schinken zufügen und kurz mitbraten. Brühe mit Senf und Crema di Balsamico verrühren. Zu Schinken und Feigen in die Pfanne geben Die Fusilli bissfest garen, abgießen und mit der Soße mischen. Rucola in Stücke zupfen und untermischen. Mit gemahlenem Pfeffer bestreut anrichten.
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