In den letzten Jahren hörte man bundesweit vermehrt den Ruf nach der guten alten Milchflasche. Mehrere Bürgerinitiativen forderten in Form von Unterschriftenaktionen die Wiedereinführung der wiederverwendbaren Glasflasche. Und nicht nur nostalgische Gründe sprechen für die Umstellung.
Um die Einführung einer neuen Generation leichterer Milchflaschen anstelle der Polyäthylen-beschichteten Kartons und der Polystyrol-Becher ist ein heftiger Gutachter-Streit entbrannt.
Im zweiten Jahr des Magazins erschien dieser Artikel, den wir hier für Sie lesbar wiedergeben.
Milchflasche
Milchpackerl
Es ist nicht von der Hand zu weisen, daß auch einige Argumente für die Kartonpackung sprechen: Das Gewicht der Glasflasche beträgt 500 g. Weil der Karton dagegen nur 20 g wiegt und überdies aufgrund seiner guten Stapelbarkeit Kühl- und Transportraum besser ausnutzt als die herkömmliche Milchflasche, hilft er Fahrzeuge, Kraftstoff und Personal einzusparen.
Dieses Argument trifft aber eigentlich nur die gute alte Milchflaschenwirtschaft. In der BRD kommen bereits leichtere und platzsparender stapelbare Flaschenkisten zum Einsatz. Auch der Schritt zur Leicht-flasche (370 g) ist bei unseren Nachbarn schon getan. Eine größere Risikofreudigkeit der österreichischen Glaserzeuger wäre wünschenswert.
Für die Kosumenten scheinen die Pluspunkte der Glasflasche zu überwiegen, wie ein Beispiel zeigt:
Auf Grund der großen Nachfrage beziehen derzeit 16 Wiener Kleinhändler einen Großteil ihrer Milchprodukte von der Molkerei Horn, da diese neben Zwettl, Kirchschlag und Habersdorf ihre Erzeugnisse auch in Glasflaschen anbietet. Und die Zahl der Interessenten ist ständig im Wachsen.
Die Molkerei Horn füllt derzeit 50 % der Milch in Glasflaschen (1 l, 1/2 l und 1/4 l) ab, der Prozentanteil bei Joghurt liegt bei 44 %, der von Rahm bei 38 % und der von Kaffee- und Schlagobers sogar bei 100 %.
Einen Angriffspunkt für die Verfechter der sogannten „Tetrapackung“ gibt es jedoch noch: die Reinigung der Glasflaschen. Dir. Dipl. Ing. Rohm von der Molkerei Horn vertritt die Meinung, daß es in nächster Zukunft keine zufriedenstellende Alternative geben wird. Die Menge der in seinem Betrieb wöchentlich benötigten Laugenmenge liegt bei 2.400 l. Man ist aber bestrebt, sie durch Laugenrückgewinnung im geschlossenen Kreislauf auf etwa 200 l pro Woche zu reduzieren.
Keine Alternative, weder zur Glasflasche noch zur kunststoffbeschichteten Kartonverpackung, stellt jedoch die Selbstabfüllung durch den Konsumenten im Geschäft dar, wie sie vor kurzem von der Fa. Meinl in Amstetten eingeführt wurde. Von der Molkerei Amstetten wird dafür die Milch, in 20 l-Kunststoffsäcken abgefüllt, an das Geschäft geliefert, wo die Kunden die Milch selbst in Flaschen abzapfen können. Diese Art des Milchverkaufs ist allerdings kein Beitrag zum Umweltschutz. Für einen solchen 20 l-Milchsack wird nämlich, da er selbsttragend sein muß, die gleiche Menge an Kunsstoff benötigt, wie sie für die Innenbeschichtung von 60 Kartons Verwendung findet. Dazu kommt noch, daß der Sack nach einmaligem Gebrauch beim Müll landet und schließlich auf der Deponie. Die Kapazität einer Deponie ist begrenzt und jede neue Deponie beeinträchtigt unsere Lebensqualität. Ein Grund mehr, den Mehrwegverpackungen den Vorzug zu geben.
Im Ausland versucht man durch gesetzliche Bestimmungen dem Problem beizukommen. Beispielsweise wird in Schweden eine Verpackungssteuer eingehoben. In Dänemark sind Einweggebinde überhaupt verboten.
Es ist für die Zukunft wünschenswert, daß im Interesse umweltbewußter Konsumenten Molkereien, Milchwirtschaftsfonds und Ministerium kooperativ tätig werden. Der Verbraucher soll zumindest die Entscheidung selbst treffen können, ob er zum „Packerl“ oder zur Flasche greift.
Gabi Felsecker
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