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Bock auf Natur?

 

Heimliche Stars im Totholz der NÖ Wälder. Sommer in Wäldern bedeutet Käfer-Hochsaison. Jetzt beginnt das große Krabbeln über Baumstämme, manche Käfer glänzen metallisch im Licht oder starten schwerfällig in die Luft.

 

Besonders auffällig sind die Bockkäfer: Elegante Riesen mit langen Fühlern. Sie sind nicht nur wunderschön, sondern auch ein wichtiges Indiz für einen gesunden, ökologisch wertvollen Wald. Käfer zählen zur großen Gruppe der Insekten und sind mit Abstand deren artenreichste Ordnung. Weltweit gibt es mehr als 400.000 bekannte Arten – in Niederösterreich kommen tausende Arten vor. Eine besonders spannende Gruppe sind die sogenannten xylobionten Käfer – das sind jene, die auf/von Holz leben bzw. darauf angewiesen sind. Zu ihnen gehören auch viele Bockkäfer (Familie Cerambycidae), die einen großen Teil ihres Lebens im Inneren von Baumstämmen verbringen. Die Larven entwickeln sich über Jahre hinweg im Holz, dort fressen sie Gänge und helfen dabei, abgestorbene Bäume zu zersetzen und zu recyceln. Als erwachsene Käfer erscheinen sie dann an der Oberfläche – allerdings oft nur für wenige Wochen.  

Unscheinbare Kinderstuben. Ein für Bockkäfer essenzieller Lebensraum ist Totholz, also abgestorbene Bäume und Stämme oder morsche Äste. Die Bockkäfer nutzen stehendes oder liegendes Totholz, darin finden sie Nahrung, Schutz und optimale Entwicklungsbedingungen. Viele Pflanzen und Tiere sind im Totholz zu finden – es handelt sich um wahre Hotspots der Biodiversität. Aus diesem Grund sollten Wälder nicht zu genau „aufgeräumt“ werden – bei intensiver, moderner Forstwirtschaft ist das aber häufig der Fall. Dabei fördert abgestorbenes Holz den Artenreichtum im Wald entscheidend. Es speichert Feuchtigkeit, durchläuft verschiedene Zersetzungsstadien, schafft dadurch Habitate für spezialisierte Organismen. Rund ein Drittel aller Waldarten ist direkt oder indirekt auf Totholz angewiesen.  

Waldgesundheit. Bockkäfer spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem. Die Larven bauen Holz ab und beschleunigen so den natürlichen Nährstoffkreislauf. Dadurch wird Kohlenstoff wieder im Boden gespeichert und neuen Pflanzen zugänglich gemacht. Zudem sind die Larven bzw. Käfer selbst Teil der Nahrungskette: zum Beispiel für Vögel, wie Spechte, aber auch Fledermäuse und andere Insektenfresser. Pilze bzw. auch manche Insektenarten profitieren auch von den ins Holz gefressenen Gängen. 


Bockkäfer sind sogenannte Zeigerarten – wo sie vorkommen, ist der Wald ökologisch wertvoll.

 
Totes Holz

Totholz

 

Gut, wenn sie da sind! Viele Bockkäferarten reagieren sehr sensibel auf Veränderungen ihres Lebensraums. Wo sie vorkommen, gibt es meistens alte (Laub-)Bäume, ausreichend Totholz und stabile ökologische Bedingungen. Seltene Arten, wie etwa der Alpenbockkäfer oder auch der Hirschkäfer (kein Bockkäfer, aber holzbewohnend) gelten als sogenannte Zeigerarten, ihr Vorkommen zeigt naturnahe, ökologisch wertvolle Wälder an. Bockkäfer beweisen, wie wichtig es ist, der Natur ihren Lauf zu lassen – denn naturnahe Wälder sind nicht unordentlich, sie sind lebendig. Ein abgestorbener Baum ist kein Ende – sondern der Beginn neuen Lebens. 

 

Schutzgebiete in NÖ. In Niederösterreich kommen die Bockkäfer unter anderem in den großen Schutzgebieten, wie den Nationalparks Donau-Auen und Thayatal, dem Biosphärenpark Wienerwald und auch dem Wildnisgebiet Dürren­stein-Lassingtal vor. Hier dürfen Bäume altern und natürlich absterben – ein entscheidender Faktor für die Biodiversität. Auch der geplante Nationalpark Kampwald hat geeignete Habitate zu bieten. Generell bieten vor allem alte Buchen, Eichen und Obstbäume den Käfern über mehrere Jahrzehnte gute Bedingungen. Und trotzdem sind viele Bockkäferarten heute selten geworden. Einige stehen auf den „Roten Listen gefährdeter Tierarten“, u. a., weil ihre Lebensräume schwinden.

 

Eine wilde „Totholz-Ecke“ im eigenen Garten gibt Insekten eine wichtige Rückzugsmöglichkeit.


Feinfühlige Forstarbeiter. Die Bockkäfer tragen mit ihrer Lebensweise zur Stabilität des Waldes bei. Wälder erfüllen für uns viele wichtige Funktionen: Sie schützen vor Erosion, speichern Wasser und Kohlenstoff. Letzteres wirkt sich positiv auf unser Klima aus. Die Bedeutung von Totholz als Kohlenstoff-Speicher ist auch Untersuchungsgegenstand eines aktuellen Projektes der Universität für Bodenkultur (BOKU).

 

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Silvia Osterkorn-Lederer, Redaktion
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naturland-noe.at

 
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Tipp:

Viele Totholzbewohnende Käferarten sind auch in den NÖ Naturparken zu finden, vor allem die Naturparke Sparbach, Ötscher-Tormäuer, Jauerling-Wachau, Purkersdorf und Hohe Wand verfügen über solche besonderen Lebensräume. Sie sind immer einen Ausflug wert – genau wie die Großschutzgebiete in NÖ.

 

Ergebnisse der Totholz-Käfer-Studie:

Eine umfassende Untersuchung der Käferpopulation in den NÖ Großschutzgebieten im Zeitraum 2022 – 2024 bestätigt die Bedeutung von Totholz. Es wurden zahlreiche spezialisierte Käferarten nachgewiesen, darunter auch seltene und gefährdete Arten. Das beweist, dass Schutzgebiete mit hohem Totholzanteil wichtige Rückzugsräume darstellen und eine zentrale Rolle für den Erhalt der spezialisierten Käferfauna spielen.

 

Welcher Käfer ist denn das?

Alpenbock sitzt auf Holz

© bwagner - stock.adobe.com

Alpenbock (Rosalia alpina)
Familie: Bockkäfer
Größe: 15 – 38 mm
Aussehen: blau-grauer Körper, schwarze Flecken, sehr lange Fühler
Lebensraum: alte Buchenwälder, stehendes Totholz, sonnige Waldränder
Besonderheit: Entwicklung dauert ca. 3 – 4 Jahre
Gefährdung: selten, geschützt, durch Verlust alter Wälder bedroht

Eichenbock sitzt auf Blatt

© Heiko - stock.adobe.com

Großer Eichenbock (Cerambyx cerdo)
Familie: Bockkäfer
Größe: 24 – 53 mm
Aussehen: dunkelbraun bis schwarz, sehr lange Fühler
Lebensraum: alte Eichen, warme und sonnige Wälder
Besonderheit: einer der größten Käfer Mitteleuropas, sehr selten geworden

 
Hornissenbock sitzt auf Ast

© Marek R. Swadzba - stock.adobe.com

Hornissenbock (Clytus arietis)
Familie: Bockkäfer
Größe: 9 – 20 mm
Aussehen: schwarz-gelb gestreifter, länglicher Körper, sieht Hornissen bzw. Wespen ähnlich; mittellange Fühler
Lebensraum: Laubwälder, Waldränder, Parks und Gärten – im Totholz
Besonderheit: schützt sich durch Täuschung – Mimikry – sieht gefährlich aus, ist aber harmlos

Hirschkäfer sitzt auf Ast

© Rolf Müller - stock.adobe.com

Hirschkäfer (Lucanus cervus)
Familie: Schröter
Größe: bis 8 cm (Männchen) 
Aussehen: Männchen mit geweihartigen 
Zangen, Weibchen kleiner
Lebensraum: alte Eichenwälder, Parks, Gärten, Baumstümpfe 
Besonderheit: Larven leben ca. 5 – 8 Jahre im morschen Holz; größte Käfer Mitteleuropas, stark gefährdet

 


 

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